Egal wie groß, es beginnt immer klein

Als ich vor 10 Jahren in das Frankfurter Gutleutviertel zog, war für mich Kleinstadtkind eigentlich klar, dass das Abenteuer Großstadt ganz genau das ausmacht, was man in der Nähe des Hauptbahnhofs zu sehen bekommt: Hier gibt es von allem einfach so viel mehr. Menschen, Straßen, Müll - zum Beispiel. Mit der Bahnhofsgegend als Auslöser vieler Gedankenrunden, war es mir, genau wegen der großen Unterschiede zum Land, immer wieder eine Freude nach durchzechten Nächten durch die Straßen meines Viertels zu drehen. Der Bahnhof, mit all seinen Menschen und deren Vielseitigkeit, entpuppte sich als eine super Quelle für Inspiration und endete für mich schließlich in meiner größten Leidenschaft: einer Musikproduktion. Noch viel mehr Freude machte es mir jedoch zu entdecken, dass potentiell hinter jeder nächsten unerforschten Straßenecke die Verbindung zu einem bereits bekannten Ort liegen könnte. Etwas übermotiviert bin ich an meinem ersten Wochenende nach Mitternacht und RMV-Betriebsschluss vielleicht viel zu weit von der Kaiserstraße, über die Hauptwache und Zeil, am Zoo vorbei, bis in die Ostparkstraße gewandert, nur um mit meinen Jungs ein wenig Großstadt zu leben. Weil hier ja alles ganz nah beisammen liegt.

Mittlerweile wohne ich in Sachsenhausen und habe die Stadt etwas besser kennengelernt. Man findet mich regelmäßig mit noch immer denselben Freunden beim monatlichen Stammtisch in der ein oder anderen Apfelweinkneipe um die Ecke Apfelwein und Mispelchen trinken, bei Konzerten im Ponyhof, Nachtleben oder was es da sonst noch alles gibt. Oder einfach am sonnigen Mainufer entlang stapfend. Auch die Bahnhofsviertelnacht habe ich mir natürlich wieder einmal nicht entgehen lassen. Ich habe gelernt, dass die kürzlich vom englischen Magazin “The Economist” zur lebenswertesten Stadt Deutschlands gewertete Metropole am Main, nach 7 Jahren und einem Umzug in einen nur 2 km entfernten Stadtteil, nicht nur neue Ecken, sondern auch Potential für ein ganzes neues Leben bietet. Ich habe hier inzwischen zwar irgendwie schon alles gesehen und sehe trotzdem immer wieder Neues. Letztens kamen diese Leute von #cleanffm (denn auch anderen ist der Müll nicht entgangen, der in Großstädten leider oft viel zu präsent ist) und haben mich gefragt, ob ich dieses Vorwort schreiben wolle. Noch nie zuvor gesehen, aber sofort gewusst, dass ich eine Initiative für eine saubere Stadt unterstützen will. Diese wunderbare Stadt, die auf kleinstem Raum von allem so viel mehr hat.

Damit es bei euch vielleicht keine 7 oder 10 Jahre dauert, bis ihr die Vielseitigkeit Frankfurts zu erkennen vermögt (oder damit dir einfach nichts entgeht), hat sich FRESHFFM bereits zum zweiten Mal daran gemacht Geschichten, Interviews, Veranstaltungshighlights und Ausgehtipps in einem Magazin für Jung und Alt zusammenzustellen. Und da jedem Anfang bekanntermaßen ja ein Zauber innewohnt und es ein Oktober war, als ich zum ersten Mal durch Frankfurt gezogen bin, ist es mir eine ganz besondere Ehre, dich nun durch die folgenden Seiten der Herbstausgabe blättern und diese Stadt in ihrer - meiner Meinung nach - vielleicht schönsten Jahreszeit entdecken zu lassen.

Dominik Bade (31) ist Musiker und hat in Frankfurt Physik studiert

Foto von Miriam Kertsch