Alles wird gut!

Anfang Winter, wenn Frost und Dunkelheit die Stadt umfangen, wenn Glühweinstände und Grillbuden aus ihren Sommerquartieren wiederkehren und sich in Scharen auf dem Römerberg niederlassen, neigt sich das Jahr dem Ende zu. So war es in der Vergangenheit, und glaubt man Prognosen einschlägiger Kalender, wird auch 2019 nicht ewig währen.

Das ist ein großes Glück für alle, die gern Geburtstag feiern. Sei es unter freiem Himmel am Mainufer, über den Wolken in der 22nd Lounge & Bar oder in den Duftwolken einer Apfelweinkneipe – auch das kommende Jahr hält eine Fülle an Entscheidungsschwierigkeiten für uns bereit. Was bringt 2020 sonst noch mit sich? Wird sich der allgemeine Negativtrend vergangener Jahre, ach was, Jahrtausende, fortsetzen oder erleben wir ausnahmsweise einen Wandel zum Besseren, wenigstens in Frankfurt?

An der Goethe-Uni setzt man sich am Sonderforschungsbereich „Frankfurt Future Forecast“ (FFF) intensiv mit der Zukunft der Main-Metropole auseinander. Einmal jährlich werden dort die Ergebnisse aller 147 am Projekt beteiligten Fächer unter dem Titel „Durch die heitere Glaskugel“ in einem Sammelband veröffentlicht und dann ganz tief in der Bibliothek vergraben. Doch ein Blick in den Bericht lohnt, wie diese Kurzübersicht zeigt.

Zunächst das Wichtigste: Nach allen Regeln der Wahrscheinlichkeit wird auch das kommende Jahr wieder ein Jahr, und das sogar in Frankfurt! Die korrekte Zahlbezeichnung des auf 2019 folgenden Zeitzyklus konnte in einem langwierigen arithmetischen Additionsverfahren mit „2020“ ermittelt werden. Den Anfang der darunter gefassten Monatskette bildet wie ehedem überall der Januar. Spekulationen, wonach für Bonames oder Zeilsheim möglicherweise April oder gar August die Vorreiterrolle im Jahresverlauf einnähmen, erwiesen sich bei näherer Überlegung als haltlos.

Damit beginnt 2020 erwartungsgemäß eher frostig und steigert sich zum Sommer hin auf neuerlich starke Hitze, um spätestens im Oktober wieder abzukühlen – wie aus den Zahlen hervorgeht. Bis dahin treiben jedoch noch viele E-Roller den Main hinunter, während links und rechts der Ufer quadratische SUV-Ungetüme auf den Straßen nach Belieben Radfahrverbote erpreschen.

Doch die Mobilitätswende lässt sich nicht aufhalten! Das FFF erwartet für die kommende IAA erstmals die Präsentation menschheitskompatibler Kompakt-SUVs, die kaum größer als drei Schuhkartons sein sollen und tatsächlich drei Paar Schuhe mit elektrischen Ausklapprollen, Getränkehalter und Einparkhilfe enthalten. Würden diese Modelle wie erwartet zum Trend, so heißt es, könnte die Automesse in weniger als zehn Jahren im Bockenheimer Palmengarten stattfinden. „Vorausgesetzt, die Blumen und das ganze Gedöns kommen vorübergehend an einem anderen Ort unter“, so das wissenschaftliche Fazit.

Auch der Wirtschaft blüht laut FFF 2020 allerhand: Ein heftiger Finanzcrash sorgt Ende Mai für Unruhe an der Börse – weit mehr erschüttert Frankfurt jedoch eine kulinarische Rochade: Der beste Döner der Stadt ist zukünftig nicht mehr der beste Döner der Stadt, sondern ein anderer, noch besserer Döner ist fortan der beste Döner der Stadt. Der Geschmack soll jedoch etwa der gleiche sein, also ganz gut.

Abschließend ein Wort zum Sport: In einer fairen Geste tritt der FSV Frankfurt zur kommenden Bundesligasaison mit den Offenbacher Kickers in einer gemeinsamen Mannschaft unter dem Namen „Frankfurter Kickers“ an. Der künftige Kader dieses Hybrids ist nach Berechnungen des FFF identisch mit dem des FSV Frankfurt.

Und dann ist auch 2020 bald schon passati tomati. Wenn die Glut des Sommers aus den Gassen gewichen ist, das letzte Kinderlachen im Brentanobad als Schluchzen erstirbt, wenn die Freudlosigkeit des Herbstes uns beinahe niedergewalzt hätte: Gerade dann ziehen wieder Glühweinstände und Grillbuden heran, um in der Altstadt zu brüten und Frierenden für ein paar Euro Fettgebäck und Behaglichkeit zu schenken.

Wird 2020 also alles gut? Ei sischä! Darauf einen Bembel Grie Soß!

Valentin Witt
Autor