QUEREINSTEIGER

Als ich fünf war, haben meine Eltern mich und meine Geschwister eines Morgens ins Auto gepackt und kurzerhand auf den Golfplatz verfrachtet. Der Grund? Ein Golf-Schnupperkurs, kostenfrei. Das Angebot war meinen sportlichen, tennisbegeisterten Eltern einen Familienausflug wert. Und was war das für ein Spaß! Während der ersten Versuche wurde mir recht schnell klar: Ich will später mal Golflehrer werden. Kein Player? Nein. Lehrer! Also habe ich in jeder freien Minute Golf gespielt, nach dem Abi in Berlin drei Jahre lang eine Ausbildung zum Golflehrer absolviert und dann als Coach auch einige Jahre gearbeitet.

Das machte großen Spaß, aber mir fehlte dabei zunehmend die Gestaltungsfreiheit. Deshalb beschloss ich, mich selbstständig zu machen. Gemeinsam mit zwei Kollegen, die ich noch aus der Ausbildungszeit kannte, gründete ich in der Nähe von Hannover meine eigene Golfschule. Und nach 17 wunderbaren Jahren als Teaching Pro mit vielen tollen Erlebnissen und Begegnungen gab es nur eine Sache, die mich davon wieder abbringen konnte: die Liebe! Und natürlich kam es genau so. Ich verliebte mich in eine Hessin. Jede Fernbeziehung stößt irgendwann an ihre Grenzen. Mir war klar: Ich muss einen Cut machen und nach Frankfurt gehen.

Im Rhein-Main-Gebiet hätte ich natürlich wieder als Golflehrer arbeiten können. Aber eine eigene Schule war ausgeschlossen. Und da gab es ja noch diesen anderen großen Traum meines Lebens: Ich wollte unbedingt am Flughafen arbeiten. Der hatte mich schon immer fasziniert, ich liebte die Flughafen-Dokus im Fernsehen und dabei vor allem einen ganz besonderen Job: Ramp Agent. Ein Job mit vielen unterschiedlichen Aufgaben und massig Verantwortung.

Erste Anlaufstelle war natürlich Fraport. Und glücklicherweise sind motivierte Quereinsteiger bei der Fraport-Tochterfirma, dem Bodenverkehrsdienstleister FraGround, gern gesehene Bewerber. Im Vorstellungsgespräch war ich dann einfach ehrlich: „Ich bin immer von Herzen Golflehrer gewesen, aber ich habe auch immer den Traum gehabt, Ramp Agent zu werden.“ Gelernt habe ich bei FraGround dann alles „on the job“. Und jetzt bin ich Teil eines wirklich tollen Teams von 107 Ramp Agents. Wir koordinieren, überwachen und überprüfen die Abfertigung von Flugzeugen.

Auch wenn es klischeehaft klingt: Hier herrscht wirklich eine familiäre Atmosphäre. Jeder kümmert sich um den anderen, alle schätzen die Arbeit der Kollegen. Schließlich sorgen wir dafür, dass jeder Flieger sicher an den Start geht. Ganz ehrlich: Ich habe mich bei diesem Job noch nie gelangweilt. Mit Unterstützung von FraGround habe ich vor kurzem eine Fortbildung zum Ausbilder gemacht und erstelle jetzt auch Verfahrensanweisungen für die jeweiligen Airlines. Und das Golfen? Entweder in der Pause im Umkleideraum mit meinem mobilen Putting-Loch oder um die Ecke auf dem Platz in Niederrad.

 

Ralf Jungbluth
Ramp Agent, Fraport