FRESHFFM meets BADESALZ

FRESHFFM: Jungs, was passiert 2023? Habt ihr etwas Besonderes vor?

Gerd Knebel: Warum, was ist denn 2023?

Henni Nachtsheim: Ah, unser 40-jähriges Bühnenjubiläum, oder? 1983 war unser erster gemeinsamer Auftritt im Sinkkasten.

Genau. Also, was macht ihr?

Gerd: Wir gehen essen (lacht).

Henni: Und zwar richtig gut. Und dann schenke ich dem Gerd ein schönes Buch und er mir auch eins: Der kleine Prinz! Und wir schenken uns gegenseitig eine besonders gute Anti-Aging-Creme. 

Die braucht ihr doch nicht. Aber schauen wir mal zurück: Wie war das damals? War es nicht ungewöhnlich, dass zwei Comedians zusammen auf die Bühne gehen und ein Programm spielen? 

Henni: Als wir anfingen, waren da tatsächlich nicht viele Comedy-Duos unterwegs, es gab nur wenig Konkurrenz.

Und es war ja noch die Zeit, in der vor allem diese klassische TV-Comedy bekannt und beliebt war: Harald Juhnke, Loriot, Didi Hallervorden oder – um in der Region zu bleiben – Heinz Schenk. Was ihr gemacht habt, war in Deutschland ziemlich neu. 

Gerd: Das stimmt. Das kannte man eigentlich damals nur aus England. Der englische Humor spielte immer schon mit der Übertreibung und mit dem Absurden.

Ihr wart ja beide Musiker und wichtige Bestandteile der Kultbands Rodgau Monotones und Flatsch. Und als Musiker habt ihr euch auch getroffen, oder? Wie seid ihr denn dann ein Comedy-Duo geworden?

Gerd: Das fing auf der Geburtstagsparty von Mob an, dem Schlagzeuger von den Monotones. Wir haben die ganze Zeit zusammen rumgesponnen. Es war schnell klar, dass wir ziemlich gleich ticken. Und wir wollten einfach mal etwas anderes ausprobieren als die Musik, mit der wir beide ja hauptsächlich beschäftigt waren.

Und der erste gemeinsame Auftritt?

Gerd: Den hatten wir schon bald als Pausenclowns beim Weihnachts-Gig einer Band. Wir spielen den Weihnachtsmann und eine Frau!

Henni: Ja, von diesem Auftritt gibt es noch Polaroids. Wahnsinn (beide lachen)! Das war an Heiligabend. Ich weiß noch, dass ich danach noch zu meiner Mutter gefahren bin. 

Das heißt, ihr habt euch als Paar erstmal ausprobiert, bevor ihr dann richtig losgelegt habt?

Henni: Genau. Wir haben gemerkt, dass es zu zweit einfacher ist und mehr Spaß macht. Und als wir unser erstes Programm geschrieben haben, sollte das eigentlich ein Art Parodie auf Volkshochschulkurse werden ...

Gerd: … wobei wir zu dem Zeitpunkt noch überhaupt keine Erfahrung im Programmschreiben hatten, und gar nicht wussten, wie man so etwas macht ...

Henni: … und circa vier Wochen vor der Uraufführung merkten wir, dass der Volkshochschulkurs nichts taugte und das Programm scheiße war. Wir haben es weggeworfen und uns wirklich jeden Tag im Proberaum getroffen, um alles neu zu schreiben.

Ein bisschen Comedy-Erfahrung hattet ihr aber schon, oder?

 

Gerd: Ich hatte zuvor schon bei Flatsch Sketche gespielt. Außerdem hatte ich bei Workshops mitgemacht. Ich war und bin ein Riesenfan von englischer Comedy und beschäftigte mich damals auch viel mit politischem Kabarett. Ich wusste also, wie man einen Sketch probt und später auch aufführt. Aber ein ganzes abendfüllendes Programm ist eine ganz andere Hausnummer.

Henni: Jetzt spule ich noch mal weiter zurück. Ich war ein richtiger Flatsch-Fan! Ich hatte die Band schon live gesehen, als ich den Gerd noch gar nicht kannte. Und das kam so: In der Frankfurter Rundschau erschien damals ein Artikel über Flatsch mit einem großen Foto vom Auftritt der Band in der alten Batschkapp. Und der Autor schrieb so etwas wie: „So etwas habe ich hier im Rhein-Main-Gebiet noch nie gesehen!“ Das beeindruckte mich natürlich, aber ich dachte auch, das ist bestimmt total übertrieben. Denn ich empfand die Band natürlich als Konkurrenz. Aber dann sagte ich mir: Sei nicht so engstirnig und schau sie dir mal an. Als ich die Jungs dann live erlebte, war ich einfach nur geflasht. Und später hatte ich dann das Vergnügen, gemeinsame Konzerte zu spielen.

Du hattest also richtig viel Respekt.

Henni: Total! Ich weiß noch, dass ich an dem vorhin erwähnten Geburtstag unseres Drummers tierischen Liebeskummer hatte. Normalerweise schüttest du dich dann einfach zu, aber ich habe mir nur überlegt: Nein, der Gerd kommt später noch und wenn du jetzt hier blau in der Ecke hängst, dann macht das den falschen Eindruck und der denkt: Was ist denn das für ein Wrack? Also habe ich mich mit Wasser wachgehalten. Und dann saßen wir stundenlang zusammen und haben über Leute geredet, über die wir lachen können. Zum Beispiel alte Fascho-Hausmeister, davon gab es damals noch jede Menge, und die fanden wir urkomisch. Und während wir uns darüber austauschten, haben wir parallel dazu Leute um uns rum mit unserem Gebabbel unterhalten. So hat alles angefangen.

Gerd: Ja, das war schon ein Schlüsselmoment! Außerdem haben wir auch schnell gemerkt, dass wir beide durchaus auf eine ordentliche Packung Anarchie standen.

Was ihr ab da gemacht habt, war ziemlich neu. Und mutig. Wie schnell habt ihr gemerkt, dass ihr mit dieser Art Comedy so viele Menschen antriggert?

Henni: Ziemlich schnell. Bei der Premiere im alten Sinkkasten waren viele Frankfurter Musiker, die wissen wollten, was der Sänger von Flatsch da mit dem zweiten Sänger der Monotones für einen Quatsch macht. Das waren natürlich Freunde, aber auch Künstler. Und die sind ja immer besonders kritisch. Die Stimmung war dann aber so unglaublich gut …

Gerd: … bis auf den Besoffenen, der dauernd gestört hat und dann rausgebracht werden musste (beide lachen). Und das war durchaus ein harter Test.

Henni: Und wie! Du stehst das erste Mal mit einem Comedy-Programm auf der Bühne, bist nervös, hast Frauenklamotten an, und dann wirst du dauernd gestört. Der Abend war aber wie gesagt super und das Programm hat funktioniert. Wir hatten gute Nummern dabei und es war – wie Gerd schon meinte – sehr anarchisch.

Trotzdem anfangs eine Fahrt ins Ungewisse, weil es so neu war.

Gerd: Aber das war auch ein Vorteil. Es gab noch keine vergleichbaren Comedy-Programme, an denen wir uns orientieren konnten. Und deshalb hatten wir keine Angst davor, uns das alles zu trauen. Denn wir wussten ja gar nicht, was geht und was nicht geht. Also haben wir es ausprobiert.

Henni: Und unser neues Programm ist ein bisschen eine Rückkehr in diese Zeit. Denn wir spielen zwar durchgängig feste Rollen, schlüpfen aber trotzdem in immer neue Figuren rein.

Ein Beispiel?

Henni: Gerne. Wir reden über Alltags-Terrorismus und spielen zum Beispiel zwei Omas, die im Wartezimmer sitzen und mit ihrem blöden Geschwätz die Leute nerven. Die Leute lieben das, weil das voll Badesalz ist. Oder der Taxifahrer-Terror: Da hat der Gerd ein fiktives Steuer in der Hand, dreht sich um und beschimpft seinen Kunden.

So wie im wahren Leben, wie im Alltag.

Gerd: Ja, sehr oft, aber nicht immer. Man muss den Alltag auch mal verlassen können, sonst wird es zu eintönig.

Ihr seid damals ja ziemlich schnell bundesweit bekannt geworden.

Henni: 1984 fand die Premiere unseres Programms „Das Super Dong Dong“ statt. Das haben wir ein paar Jahre lang gespielt und es wurde sehr schnell im Rhein-Main-Gebiet populär. Ich weiß noch, wie wir im Sinkkasten waren und Rudi, der Chef vom Sinkkasten, mit uns am Fenster stand und auf eine Schlange zeigte, die schon gegen halb sechs vom Eingang bis zur Zeil um die Ecke ging. „Was ist das?“, fragte ich. Und er meinte: „Das sind eure Zuschauer und bis dahin können wir sie reinlassen und alle, die hinter der Ecke stehen, müssen wir heute nach Hause schicken. Das heißt ich brauche von euch mindestens noch drei Termine.“

Gerd: Und ich sagte: „Mach bitte das Fenster zu“ (beide lachen). Das war eigentlich gar nicht lustig, denn der Druck war schon enorm. Irgendwann kam der HR-Unterhaltungschef auf uns zu und wollte mit uns drehen. Diese Live-Mitschnitte liefen dann im HR-Fernsehen. Und später, Anfang der 90er, hatten wir mit „Och Joh“ ein eigenes Format immer montagabends in der ARD. In der Zeit gab es ansonsten im TV kaum Comedy-Formate. Und so ist das natürlich deutschlandweit losgegangen.

Wie kam die Sendung an?

Henni: Die hatte durchschnittlich fünfeinhalb Millionen Zuschauer. Zur gleichen Zeit kam noch Hape Kerkeling ins Fernsehen. Und es lief „Harald & Eddi“, eine sehr beliebte Sketch-Parade. Und Benno Hoffmann, der war megaerfolgreich. Alle hatten Angst, dass man an den und seine Quoten nicht rankommt.

Damals hat die TV-Präsenz viel geholfen, heute ist das ja gar nicht zwangsläufig so, oder?

Henni: Ja, das hat heute nicht mehr die gleiche Bedeutung. Wir haben damals ja außerdem noch polarisiert. Der ARD-Chef bat den HR, er möge das Badesalz-Experiment doch bitte bald beenden. Als wir deutschlandweit auftraten, trat dann irgendwann Sony an uns heran, ob wir Lust hätten, eine Platte bei ihnen zu veröffentlichen. Gerne auch mit unserem Live-Programm drauf.

Bestimmt ein besonderer Moment!

Gerd: Na ja, wir waren irritiert, denn wir konnten uns nicht vorstellen, das Live-Programm aufzunehmen und auf Schallplatte pressen zu lassen. Das hätte nicht ohne Weiteres funktioniert. Aber Jochen Leuschner, der Sony-Chef, sagte: „Kein Problem, ihr könnt machen, was ihr wollt.“

Henni: Deshalb haben wir uns dann getroffen, einen Kassettenrekorder vor uns gestellt und angefangen rumzuspinnen. Wir saßen in Gerds Dachwohnung auf dem Boden und haben kleine, kaputte Sketche oder Gespräche aufgenommen. Das haben wir dann dem Jochen Leuschner vorgespielt und gesagt: „Das wollen wir aufnehmen.“ Und er sagte: „Ja, macht das mal.“

 

Gerd: Er war sehr souverän und meinte: „Ihr wisst schon, was ihr macht, ich habe davon sowieso keine Ahnung.“ Das fanden wir super, so eine Ansage ist selten. Eigentlich ist doch jeder Chef witziger als du, oder? Inzwischen haben wir zehn Alben aufgenommen. Und so hat das damals angefangen, irgendwie unschuldig. Ich weiß noch, wie wir im Ostend im ersten Studio saßen und merkten, wie viel Spaß uns das macht!

Gab es später mal eine Phase, wo ihr das Gefühl hattet, dass euch nicht so viel Neues einfällt und ihr unter dem – auch zeitlichen – Druck, veröffentlichen zu müssen, Kompromisse eingehen müsst?

Gerd: Nein, eigentlich nie. Wir arbeiten ja immer so, dass wir uns ins „Comedy-Kloster“ zurückziehen. Das klingt fast spießig, aber um gemeinsam ein neues Programm zu schreiben, fahren wir immer weg, eine Woche oder zehn Tage nach Spanien oder La Gomera. Dann setzen wir uns jeden Tag hin wie im Büro und schreiben. Und so entsteht auch immer mehr, als wir brauchen, ein Überschuss an Ideen.

Dann müsst ihr nicht alles verwenden. Musiker schreiben ja auch mehr Songs, als für ein Album nötig sind, um dann die besten aussuchen zu können.

Henni: Genau. Und wenn man zum Beispiel live merkt, dass eine Nummer nicht funktioniert, dann können wir die einfach austauschen.

Gerd: Quasi ein Comedy-Giro-Konto.

Das hört sich ja fast ein bisschen zu normal an, ging es denn immer so undramatisch weiter, ohne die großen Ups & Downs?

Gerd: Also, richtige Downs hatten wir eigentlich nicht.

Wir haben uns vor dem Interview mal umgehört, zum Beispiel bei uns in der Agentur bei vielen jüngeren Kollegen. Ich will jetzt nicht übertreiben, aber fast jeder kannte Badesalz. Und die meisten finden euch auch noch cool.

Gerd: Viele sind ja auch aus Hessen.

Einige sagen: „Meine Eltern haben mich damit nicht in Ruhe gelassen“ …

Henni: … die sind traumatisiert (lacht)

… aber finden viele eurer Sachen gut. Wie fühlt sich das an?

Gerd: Super! Zu uns kommen drei Generationen. Ich habe auch hin und wieder mit jungen Leuten darüber gesprochen und einer erzählte mal, dass er Badesalz hörte, seit er klein war und immer unsere Stimmen geliebt hat, aber nicht wirklich verstand, was wir da redeten. Und jetzt kapiert er alles und liebt es erst recht. Das ist natürlich ein tolles Gefühl für uns.

Henni: Das ist wirklich schön. Wir machen halt zeitloses Zeug (beide lachen).

Gerd: Kabarettisten haben es aber auch schwerer. Die müssen mit ihren Programmen immer sehr aktuell sein. Deshalb sind ältere Kabarett-Programme häufig nicht mehr so lustig wie gute Comedy-Programme. Dafür können die Kollegen ja aber nichts.

Das Format ist auch einfach nicht mehr so populär, oder?

Gerd: Ja, das stimmt. Und leider lassen auch einige junge Menschen, die politisch sehr engagiert sind, Humor gar nicht mehr zu. Die sind da richtig militant. Wenn du manche Kommentare liest, dann macht es das für die Kabarett-Kollegen auch nicht leichter. Ich bin fast froh, dass wir Comedy machen und kein politisches Kabarett.

Früher wurden Kabarettsendungen auf bestimmten Sendern nicht ausgestrahlt, weil sie den Verantwortlichen politisch nicht ins Konzept passten. Das ist vorbei, oder?

Henni: Nein, leider nicht. Hinter den Kulissen geht es unheimlich strikt und streng zu.

Gerd: Es werden Texte kontrolliert, es werden Texte zensiert. Da sind Leute unterwegs, die sagen: „Mit diesen Sachen kommst du nicht in meine Sendung.“

Wirklich?

Gerd: Ja, natürlich. Es ist eigentlich sogar noch schlimmer als früher.

Henni: Bei den Öffentlich-Rechtlichen geht die Angst um, mehr als damals zu den politisierten Zeiten. Wir haben das selbst schon erlebt.

Gerd: Ich habe ja viel Kontakt zu Kollegen. Darunter sind auch welche, die auf einmal keinen Auftritt mehr bekommen. Begründung: „Nein danke, deiner Meinung möchte ich hier keine Bühne mehr geben.“

Henni: Ich meine, wir reden hier von Kabarett, nicht von einer Parteiveranstaltung.

Wie viel Meinung könnt ihr euch leisten? Könnt ihr einen Sketch machen, der klar gegen die Political Correctness, gegen den Mainstream geht?

Gerd: Das passiert automatisch. Aber es ist nicht so, dass wir uns keine Gedanken machen. Wir kontrollieren uns schon und diskutieren hart an der Sache, wie weit wir gehen sollen und können.

Anderes Thema: Welche Rolle spielt der Dialekt für euren Erfolg? Ihr tretet als Frankfurter Buben in Stuttgart oder Köln auf und babbelt ja wahrscheinlich trotzdem so wie immer, oder? Finden die Schwaben oder Rheinländer das besonders interessant?

Gerd: Ich glaube, dass überall dort, wo Dialekt gesprochen wird, das mit einer Grundsympathie aufgenommen wird. Die kommen einfach schneller rein. Denn sie sind diesbezüglich ähnlich wie wir. Ansonsten geht es auch um unsere Art der Präsentation: Wir sind ja schon rau und manchmal auch schmutzig und nicht gerade glatt. Ich glaube, das mögen viele Leute, egal wo sie herkommen oder leben.

Henni: Wobei wir in Hannover auch eine volle Hütte hatten und da sprechen sie ja gar keinen Dialekt. Und sie haben uns alle verstanden – hoffe ich (lacht). Hinzu kommt, dass wir eher Frankfurterisch sprechen und keinen anderen, komplizierteren hessischen Dialekt. Hessisches Hochdeutsch sozusagen. Und es kann uns ja auch jeder verstehen. Und manche Hauptfiguren in unserem Programm reden ja auch Hochdeutsch miteinander.

Gibt es Worte oder Ausdrücke, die besonders mögt?

Henni: Also, was ich wirklich liebe, ist das berühmte Frankfurter Wort „gude“. Manchmal denke ich, dass das heute noch mehr Leute benutzen als früher. Letzte Woche komme ich in einen Laden rein und es kommt mir ein 80-jähriger Mann entgegen, der sagt: „Gude, Herr Nachtsheim.“ Großartig.

Trotzdem wäre interessant, warum ihr – trotz Dialekt – im Gegensatz zu einigen anderen regional erfolgreichen Comedians deutschlandweit so bekannt seid.

Gerd: Ich denk, das liegt an unseren Inhalten, nicht am Dialekt.

Henni: Man muss natürlich darauf achten, dass man es nicht übertreibt. Ich habe neulich, wie immer zwischen den Jahren, die Monica Gruber gesehen. Ein älteres Programm aus dem Zirkus Krone. Ich glaube, sie ist die einzige Person, die noch schneller redet als der Gerd (beide lachen). Auf der Bühne redet sie so schnell und dann noch Bayrisch. Da komme ich nicht immer mit.

Das heißt: Die Sprache ist nicht mehr als ein Stilmittel?

Henni: Genau. Wie Gerd richtig sagt, ist das Was wichtiger als das Wie. Ein weiteres wichtiges Thema ist – und ich weiß, es klingt ein bisschen komisch – die Wärme auf der Bühne. Du kannst rau sein. Und derb und direkt. Aber du wirst trotzdem gemocht, wenn die Leute merken, dass du kein Arsch bist. Dafür hat das Publikum durchaus ein gewisses Gespür.

Und dann gibt es gibt ja auch Gegenden, wo der Humor näher an eurem, beziehungsweise unserem hier dran ist, oder? In Berlin zum Beispiel sind die Menschen auch ein bisschen derber.

GERD: Ja, ich glaube schon, dass es da Berührungspunkte gibt. Und dann spielst du in Kurorten, wo auch mal ein anderes Publikum kommt. Klar, die sind ja auch zur Kur dort. Und die kommen dann direkt aus der Fangopackung zu uns ... 

HENNI: … teilweise noch in der Fangopackung!

GERD: Und die haben dann natürlich nicht diese Bereitschaft, können sich nicht so einlassen.

Oder sie sitzen schon in Fangositzen.

HENNI: Ja! Fangositze! In Bad Orb gibt es gegen Aufpreis Fangositze.

Und gegen weiteren Aufpreis werden die zwischendurch nachgewärmt (alle lachen). Gibt es eigentlich das typische Frankfurter Publikum?

Henni: Ja. Ich trete eigentlich überall sehr gerne auf. Und immer wieder gibt es ganz positive, überraschende Erlebnisse. Aber das Frankfurter Publikum ist schon etwas Besonderes für mich. Das habe ich zuletzt wieder erlebt, als ich mit Rick Kavanian mit dem Dollbohrer-Programm in der Batschkapp aufgetreten bin. Ein Hammer-Abend!

Gerd: Komischerweise hatte ich manchmal das Gefühl, dass das Heimat-Publikum auch gerne mal besonders genau hinguckt. Deshalb fand ich die Auftritte in Frankfurt früher immer etwas schwieriger.

Henni: Im Gegensatz zu Gerd hab ich ja nie direkt in Frankfurt gelebt. Ich bin ja immer von etwas außerhalb gekommen, fand es aber immer toll, in unsere „Hauptstadt“ und unsere Metropole zu kommen. Und das ist auch immer noch so. Dazu kommt natürlich auch meine besondere Beziehung zur Eintracht, den Löwen und so weiter.

Findet man sich eigentlich nach so langer Zeit auf der Bühne noch immer so witzig?

Henni: Wir lachen eigentlich nie über unsere eigenen Witze.

Gerd: Über die eigenen Witze lachen eigentlich nur Leute, die an einer psychischen Störung leiden.

Ja, stimmt (lacht), die Leute, die alleine oder am lautesten über ihre eigenen Scherze lachen, sind echt peinlich. Okay, anders gefragt: Habt ihr noch das gleiche Gefühl für den Moment wie früher? Die Sketche sind ja eine Sache, aber der Bühnenmoment spielt ja eine große Rolle. 

Henni: Absolut. Der Bühnenmoment ist von großer Bedeutung, und zum Glück macht uns die Bühne immer noch großen Spaß. Beim aktuellen Programm wechseln wir permanent zwischen den Spielarten: von der Büttenreden-Parodie zum russischen Märchen, das macht große Freude. Und natürlich gibt es Momente, in denen ich auch mal über den Gerd lachen muss. Es gibt zum Beispiel so eine Nummer, in der er mich quält und jeden Abend irgendetwas Neues, Gemeines, Beklopptes hinzufügt. Ich frage mich dann immer: „Wo nimmt er das denn jetzt noch her?“ Und manchmal muss ich dann lachen, manchmal könnt ich ihn aber auch packen und sagen: „Halt jetzt die Klappe! Ich kann nicht mehr“ (beide lachen).

Seht ihr euch selbst gerne auf der Bühne? Zum Beispiel in einem Live-Mitschnitt?

Henni: Ich nicht. Wenn unsere Merchandiserin neue Fotos schickt, könnte ich sie umbringen. Da kommt sie und sagt: „Ich habe einen schönen neuen Schnappschuss“ und ich sehe mir das an und denke: „Neeeiiinn! Ich will nicht. Ich bin so hässlich. Weg damit!“

Auch weil du auf der Bühne natürlich ein ganz anderes Gefühl hast.

Henni: Ja. Wobei es aber auch Momente gibt, in denen man vorher in den Spiegel schaut und denkt: Oje, eigentlich dürfte ich heute gar nicht raus! (lacht) Das betrifft auch die Performance. Man findet sich manchmal nicht so gut, wie man es vom Publikum gespiegelt bekommt.

Man hat ja auch einen besonders hohen Anspruch an sich selbst. Und das Publikum erkennt womögliche Problemstellen gar nicht. Denn die Leute kennen das Programm im Detail ja nicht so gut. Und dann finden die Zuschauer den Auftritt super, auch wenn man selbst nicht so richtig zufrieden ist.

GERD: Das passiert uns häufiger, zum Beispiel wenn wir zwei oder drei Auftritte hintereinander haben. Du denkst, das war heute nicht so gut wie gestern. Und du sagst den Leuten, die dich später ansprechen: „Gestern war es so schön“. Aber die antworten nur: „Das war doch super heute Abend.“

HENNI: Manchmal empfindet es auch einer von uns als besser und der andere als schlechter. Das hängt eben auch immer von der Tagesform ab und ist sehr subjektiv. Und die Unterschiede machen es ja auch so schön und spannend, immer noch nach 37 Jahren.

Und auch das Publikum ist ja immer unterschiedlich gut drauf.

Henni: Ja, das spielt natürlich auch immer eine Rolle. Wir hatten mal einen Auftritt mit einem wahnsinnig alten Publikum. Bevor es losging, kam der Bürgermeister mit seiner Frau in die Garderobe und sagte: „Ich war heute auf einem Schiff mit zwei Seniorengruppen. Und die haben mir alle gesagt: ‚Wir müssen pünktlich anlegen, denn wir gehen ja heute Abend zu Badesalz.‘“ Und wir so: „Ach du liebe Zeit! Zwei Seniorengruppen!“

Gerd: Ein ganzes Schiff voller Senioren! Die sind vom Hafen alle direkt vor die Halle gefahren worden. Wir kamen auf die Bühne und konnten die Leute ganz gut sehen. Das war wirklich ein etwas älteres Publikum (beide lachen) und wir waren, sagen wir mal, besorgt, was den weiteren Verlauf des Abends betraf.

Henni: Und dann waren die so unglaublich gut drauf. Und so aufgeschlossen! Wir waren völlig zufrieden und sind megahappy nach Hause gefahren. Manchmal kommt es eben auch anders, als man denkt …

(Foto: © BADESALZ)