FRESHFFM meets JASON PAUL

Hey Jason, wie steht es um die Frankfurter Parkour-Szene?

Super. Wir haben in Frankfurt eine echt tolle Community. Es sind fast jeden Tag Leute unterwegs, die Parkour laufen.

Ist das bei euch so wie bei den Triathleten: Die Sportler sind Konkurrenten, aber die Gemeinschaft ist ebenso wichtig?

Ja, aber noch krasser. Der Wettkampf steht bei uns total im Hintergrund und der Sport selbst und die Gemeinschaft im Fokus.

War das schon immer so?

Das war von Anfang an so. Als ich vor 14 Jahren mit Parkour in Berührung kam, hatte ich einfach Bock darauf. Mir war egal, ob es Wettkämpfe gab oder nicht. Ich kenne auch kaum jemanden, der mit Parkour angefangen hat, weil er Weltmeister werden wollte. Wir haben damals auch alles selbst organisiert und auch viel improvisiert, denn es existierten ja keine Vereine. Heute gibt es die und ich freue mich darüber. Denn wir können jetzt auch mal in einer Halle trainieren, zum Beispiel wenn es draußen sehr kalt ist oder wir bestimmte Tricks auf einer Matte üben wollen.

Ihr trefft euch, zeigt euch gegenseitig die Kniffe und entdeckt neue Techniken?

Genau! Das ist fast immer so. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe, über die verabreden wir uns: „Hey, ich bin heute da, wer kommt vorbei?“ Und dann kann jeder vorbeikommen, der Zeit und Lust hat. Und beim Training suchst du dir die Leute, die ungefähr auf deinem Level sind und los geht’s. Manchmal hat aber auch irgendjemand eine Idee und sagt: „Oh, schau mal, wie kommt man da wohl hoch?“ Und dann probiert man es gemeinsam, bis man den besten Weg gefunden hat. Das ist alles sehr spielerisch und spannend. Und man lernt so auch die Stadt immer wieder aufs Neue kennen.

Ist Frankfurt für Parkour eine gute Stadt?

Hm, Frankfurt ist vielleicht die urbanste Stadt in Deutschland. Und viele denken, das wäre perfekt für Parkour. Aber ein paar andere Großstädte haben eigentlich trainingsspezifisch die besseren Locations, vor allem was die Vielfalt der Hindernisse betrifft. Dafür haben wir hier in Frankfurt eine sehr solide Community, die sich über viele Jahre toll entwickelt hat.

Wie sahen die ersten Gemeinschaftsaktivitäten aus?

Wir haben irgendwann damit angefangen, Free Workshops zu veranstalten. Wir haben uns mit allen, die Lust hatten, vor dem Hauptbahnhof getroffen und sind dann zu den Finanzämtern in die Gutleutstraße rübergelaufen ...

… wer hätte gedacht, dass das Finanzamt mal eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer jungen und ungezähmten Sportart und Community spielen würde?

Ja (lacht), wer hätte das gedacht? Da kann man einfach gut trainieren. Jedenfalls haben wir kostenfrei diese Workshops gemacht, konnten so einigen Leuten den Sport näherbringen und daraus ist dann diese Gemeinschaft hervorgegangen. Einige sind jetzt seit 14 Jahren dabei und immer wieder kommen Leute nach. Du hast 14-Jährige, die mit 30-Jährigen trainieren und es gibt gar keinen Stress. Im Gegenteil, das macht Riesenspaß.

Das erinnert mich ein wenig an die Community der Calisthenics im Hafenpark. Da kann auch jeder mitmachen, selbst wenn zum Beispiel Korash, Frankfurts Sportler des Jahres, an den Stangen trainiert. Das ist schon ein Gegenentwurf zum klassischen Profisport, obwohl ihr das ja auch beruflich betreibt und ihr davon lebt. Im Hintergrund steht aber ein anderer Lebensentwurf, oder?

Interessante Frage! Wir selbst machen uns darüber nicht so viele Gedanken. Aber es stimmt schon, die Grundeinstellung ist vielleicht eine andere. Und damit möchte ich andere Sportarten und deren Set-ups gar nicht kritisieren – im Gegenteil. Aber bei uns würde es anders nicht funktionieren. Jeder kann kommen, wann er oder sie will. Und klar, wenn du dich wie ein Idiot verhältst, dann wirst du beim nächsten Mal nicht mehr eingeladen. Ansonsten: Komm, mach mit und probier’s aus. Und wenn du dich noch nicht gut auskennst, erklären wir’s dir.

Jetzt kommt die simple Frage, die viele zuerst stellen würden: Warum macht man so etwas überhaupt?

Ja, warum eigentlich? (lacht) Ich glaube, es ist sehr natürlich, sich so zu bewegen. Vielleicht nicht in der fortgeschrittenen Parkour-Form, aber was die Basics betrifft. Wir alle haben das als Kinder gemacht, ausprobiert, wir alle haben früher so ein bisschen Parkour gemacht. Wir sind auf Bäume geklettert, sind runtergesprungen und haben uns gegenseitig gechallenged. Denk nur mal an die Abenteuerspielplätze und was man da alles machen kann. Das ist Parkour. Und Kinder lieben das.

Das heißt: Es ist in uns und dann geht es sukzessive verloren?

Nein, die meisten werden einfach vom Leben abgelenkt. Und das kann ich voll verstehen. Nur bei ein paar Verrückten bleibt dieser Freiheitsdrang bestehen. Ich zum Beispiel habe alle möglichen Sportarten ausprobiert und nichts hat so richtig gepasst. Capoeira, Fechten, Fußball, Handball, Kung-Fu und was weiß ich nicht alles. Das war alles okay. Aber erst beim Parkour hat es geklickt.

Damals warst du 14. Aber es gab ja wahrscheinlich auch noch andere Hobbys.

Oh ja, ich war ein richtiges Zockerkind. Und ich glaube heute, das war aus derselben Motivation heraus: In Videospielen konnte ich genau das machen, was ich in den Sportarten, die ich ausprobiert hatte, nicht konnte: hochspringen, klettern, Hindernisse überwinden.

Das darf ich nicht meinem 14-jährigen Sohn erzählen. Er denkt sonst, wenn er genug zockt, dann kommt das mit der Bewegung von selbst.

Ja, bloß nicht. (lacht) Wenn ich bei den Videospielen geblieben wäre, dann könnte ich heute allerdings finanziell viel erfolgreicher sein. (lacht)

Zurück zur Suche: Wie kam es dann, dass du Parkour ausprobiert hast?

Ein Kumpel und ich haben es irgendwo gesehen und gedacht: Hey cool, lass uns das mal probieren. Wir mussten dann viel improvisieren, denn es gab kaum Infos darüber. Dann probiert man es einfach aus. Nur konnten wir nicht, wie bei anderen Sportarten, Stunden nehmen. Denn die Trainer gab es nicht. Und YouTube existierte auch noch nicht. Wir haben damals ein zweiminütiges TV-Segment gesehen, auf VHS aufgenommen, dann zigmal angeschaut und so die Moves analysiert. Am wichtigsten war uns von Anfang an die Philosophie: Du kannst auch als Jugendlicher und als Erwachsener rumspringen und klettern, wie du es als Kind schon so gerne gemacht hast. Und du kannst dabei die Stadt erkunden.

Wichtig war am Anfang aber auch, Parkour mit anderen zusammen zu entdecken, oder?

Genau. Wir sind eigentlich immer in einer Gruppe gelaufen und haben alles Mögliche und Unmögliche ausprobiert: Schaffen wir es da hochzuklettern oder über die Hecke zu springen? Ohne Tutorials brauchst du einen Gegenpart, beziehungsweise Partner, um Lösungen zu finden. Und es macht zusammen natürlich mehr Spaß. Später habe ich auch viel alleine trainiert, weil im Laufe der Zeit nicht alle Kumpels dabeigeblieben sind. Aber das ist ganz normal.

Talent spielt natürlich immer eine Rolle. Aber es geht auch darum, dranzubleiben und um den Ehrgeiz, anspruchsvollste Herausforderungen zu meistern. Nur dann schaffen es Athleten auf ein höheres Niveau. So ist es in allen Sportarten. Ist diese Besessenheit auch eine deiner wichtigsten Triebfedern gewesen?

Um gut zu werden, musst du einfach viele, viele Stunden reinstecken. Das ist ganz klar. Ich habe manchmal schon vor der Schule trainiert, danach sowieso und nicht selten drei, vier Stunden und noch zwei Stunden in der Halle oder beim Krafttraining. Ich habe auch mal eine Stunde Schule geschwänzt, um rausgehen und trainieren zu können. Ich war fast jeden Tag überwiegend draußen, bis zum Sonnenuntergang.

Im sozialen Umfeld gilt man dann irgendwann als ein bisschen nerdig, oder?

Ein bisschen? Aber voll! Megameganerdig. (lacht) Parkour war damals total uncool. Ich erinnere mich, dass so ein Freerunner im Fernsehen gegen ein Pferd angetreten ist. Das wurde hier in der Festhalle aufgezeichnet. Er ist den Springreitparcours gelaufen und war eine Sekunde langsamer als das Pferd. Was haben mich danach alle aufgezogen! Ich sollte mir doch lieber ein Pferd kaufen, als selbst durch die Gegend zu rennen, das wäre viel effizienter. Was für ein Trauma! (lacht) Am Anfang war’s also echt nicht cool, aber das war mir egal. Musste es sein, ich hatte einfach zu viel Spaß!

Und dann bist du bei der Weltmeisterschaft angetreten. Aber das war eher ein Zufall oder?

Mein erster Contest. Und da es keine Ligen und Ranglisten gab, konnte man sich nicht qualifizieren. Die Teilnehmer wurden zur WM nach London eingeladen. Die Veranstalter sahen sich also Videos von Sportlern aus verschiedenen Ländern an und sind – als sie das Material der deutschen Freerunner gescannt hatten – auf mich zugekommen. Als die Anfrage kam, ob ich dabei sein will, habe ich sofort zugesagt. Ich dachte nur: Cool, ich bekomme einen kostenlosen Trip nach London und kann dort diese ganzen Parkour-Dudes treffen. Die kannte ich bis dahin ja nur aus Videos. An den Wettbewerb dachte ich kaum. Als meine Eltern erfuhren, dass ich teilnehmen würde, haben sie beschlossen, vor Ort dabei zu sein. Sie sind zusammen mit meinen Onkels alle mit nach London gekommen.

Und wie werden die einzelnen Leistungen bewertet? Gibt es zum Beispiel Schwierigkeitsgrade und ein Punktesystem? Wie wird man einer der offiziell besten Freerunner der Welt?

Die Schwierigkeiten der Moves und Tricks und natürlich die Ausführung werden bewertet. Du planst den Run und hast dann auf dem Kurs eine Minute Zeit. Aber auch der Flow ist wichtig, also wie gut alle Tricks miteinander verbunden werden und ob du stehen bleibst oder nicht. Jedenfalls war das einer dieser Tage. Es lief überraschend gut und ich wurde Dritter bei der WM. Eine Woche später wurde ich beim Red Bull Contest Zweiter und im nächsten Jahr Erster. Ein paar Jahre lang nahm ich dann an Wettbewerben teil.

Und warum hast du dann damit aufgehört? Ist es nicht interessant, sich möglichst objektiv mit anderen zu messen, um herauszufinden, wer der Beste ist?

Das ist bei uns eben nicht so. Zumindest hat der Wettbewerb nicht eine vergleichbar hohe Bedeutung wie in vielen anderen Sportarten. Er ist ein Teil unseres Sports, mehr nicht. Für mich spielten zum Beispiel die Videos immer eine größere Rolle. Die Kamera hatte ich immer schon dabei. Da ich keinen Trainer hatte, war das auch essenziell für mich. Denn in den Clips konnte ich sehen, was gut war und was verbesserungsfähig. Ein bisschen später, als im Internet schon einige Videos verfügbar waren, habe ich mir online die Moves der anderen Jungs angeschaut und natürlich versucht, die auch hinzubekommen. Diese Versuche habe ich mit der Kamera gefilmt und anschließend zuhause Frame für Frame die Bewegungsabläufe verglichen. Das hat mir immer Megaspaß gemacht. Und dann habe ich angefangen, Videos zu veröffentlichen. Erst bin ich mit meinen Kumpels raus in die Stadt gegangen, habe neue Spots erkundet und das auf Videos festgehalten. Und später bin ich immer öfter in andere, immer fernere Länder gereist, um zu drehen.

Das Reisen und das Kennenlernen von neuen Ländern und Kulturen war und ist also eines der Highlights?

Oh ja, das ist wahnsinnig interessant. Das macht viel mehr Spaß, als nur an einem Ort verbissen auf den nächsten Wettbewerb hinzutrainieren.

Wirst du bei deinen Videos auch von anderen Sportlern oder Sportarten inspiriert? Interessieren dich Kooperationen mit Künstlern oder Musikern?

Auf jeden Fall, ich schaue mir Turm-, Breakdance- oder Skateboard-Videos an. Auch Snowboard- und Ski-Videos sind super-interessant. Man kann aus fast jeder Bewegung etwas ableiten. Auch Musik- oder Poetry-Slam-Filme sind interessant. Wir haben mal mit einem Poeten aus London ein Video gedreht. Er hat für uns einen Text geschrieben und wir eine Art Choreografie dazu entwickelt.

Sehr geil. Das kannst du in vielen anderen Disziplinen nicht machen. Stell dir mal einen Handballer vor, der zu einem aufgesagten Gedicht aufs Tor wirft, skurril …

… (lacht), ja, ist aber ein interessantes Bild …

… stimmt. Kannst du sagen, was für dich ein besonderes Video war? Etwas, das dich geprägt hat?

Ich wurde von einem Australier mal nach Thailand eingeladen. Einer seiner Freunde hat dort eine Wohnung. Ein Come and Go, ständig sind 10 bis 15 Leute dort. Ich habe also ein Ticket gebucht und habe mir eine Kamera besorgt und war dann einen Monat in Bangkok. Wir haben gefeiert, trainiert, die Stadt erkundet, gefilmt und haben den ganzen Trip in einem Video festgehalten. Alle zusammen. Wir gehörten zu den Ersten, die nicht nur die Parkour-Action gezeigt haben, diesen epischen Track mit Moves und Tricks und Sprung, Sprung, Sprung. Sondern wir haben auch Impressionen aus der Stadt festgehalten und den Lifestyle dokumentiert, die Persönlichkeiten, die Storys. Und weil dieses Konzept so gut angekommen ist, haben wir beschlossen, solche Filme häufiger zu machen.

Ihr wart also Vorreiter. Aber diese Filme müssen ja auch finanziert werden. Wie habt ihr das hinbekommen?

Na ja, unser Ziel war es, Sponsoren zu gewinnen. Die Suche nach Unterstützern ist aber nicht einfach. Denn Parkour ist noch immer ein ziemlich kleiner Sport. Man steckt also wahnsinnig viel Zeit und Energie in die Kommunikation mit potenziellen Sponsoren. Und der Outcome ist eher gering. So entstand die Idee, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Etwas, das uns ermöglicht, diese Trips und unsere Leben als Freerunner zu finanzieren. Wir haben eine Klamottenmarke gestartet und die in unseren Videos präsentiert und promotet. Und das machen wir als Team mittlerweile recht erfolgreich. Wir haben mit T-Shirts angefangen und dann wurde es immer mehr.

Wie heißt die Marke? Ist die in der Community angekommen? Und wo verkauft ihr die Sachen?

Die Marke heißt Farang und wir verkaufen die Klamotten online. Letztes Jahr haben wir zum ersten Mal einen Schuh designt, den wir auch beim Sport tragen. Die Leute verstehen, dass ihnen diese Schuhe auch beim Training helfen. Das funktioniert gut. Und wir sponsern jetzt inklusive meiner Person sechs Athleten.

Das erinnert mich ein bisschen an die Surfer-Community, nur eben in der Stadt. Ihr versucht ein bestimmtes Lebensgefühl zu vermitteln, von den Ergebnissen der zusätzlichen Ideen zu leben und dabei als Gruppe solidarisch zu bleiben. Bei den Surfern sind ja sogar Weltmarken entstanden. Waren die auch Vorbilder?

Absolut. Diese Surfer- und Skatermarken waren schon sehr inspirierend für uns. Und die hatten es ja noch schwerer, die konnten – als es damit losging – nicht übers Internet verkaufen.

Hat dich auch das Leben aus dem Koffer gereizt? Die Jagd nach dem besten Surfspot oder der besten Piste?

Ja, ich habe immer Lust, etwas Neues auszuprobieren. Ein neues Land, ein neuer Spot und neue Leute. Das ist wahnsinnig spannend und inspirierend. Und tatsächlich habe ich längere Zeit aus dem Koffer gelebt, hatte keine Wohnung, auch nicht in meiner Heimatstadt. Erst vor Kurzem, als ich Vater geworden bin, habe ich mir mit meiner Freundin eine Wohnung genommen.

Es war aber klar, dass du dir die Wohnung dann hier in Frankfurt nimmst?

Das war klar. Und dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Meine ganze Familie ist hier. Außerdem komme ich von Frankfurt aus total easy überall hin. Und dann ist es einfach meine Heimat. Für mich ist es immer voll emotional, wenn ich hier bin. Vor allem, wenn ich länger unterwegs war, ist es schon ein cooles Gefühl wiederzukommen. Auf mich wartet ja auch an jeder Ecke eine Erinnerung. So viele tolle und verrückte Storys.

Und außerhalb des Sports – gibt es Sachen, die dich antreiben? Was interessiert dich sonst noch?

Mein größtes Hobby ist momentan Japanisch.

Japanisch? Die Sprache?

Ja, genau, die lerne ich seit einiger Zeit ziemlich intensiv. Schwer zu sagen, warum. Ich denke, jeder Mensch hat eine Stimme in sich drin, die einem immer sagt, was das eigene Leben bereichern könnte. Man muss sich dann nur entscheiden, ob und wann man dem nachgibt. Natürlich hatte ich auch Anknüpfungspunkte: Ich habe immer sehr gerne japanische Comics gelesen. Mich hat die Natur Japans fasziniert und auch die Kultur. Ich mag die japanische Architektur, die Mode. Und mich begeistert die Liebe zum Detail, die dort in vielen Dingen erkennbar ist. Aber vor allem ist es ein sehr schönes Land mit höflichen, megaangenehmen und freundlichen Menschen.

Warst du schon häufiger dort?

Ja, wir haben insgesamt schon acht Monate dort verbracht und gehen nächstes Jahr auch wieder für zweieinhalb Monate rüber.

Wie lange kann man sich so treiben lassen? Du bist jetzt Vater, denkst du darüber nach, dein Leben umzustellen?

Nachdenken sollte man immer. Und die Verantwortung für ein Kind verändert sowieso alles. Aber das bedeutet nicht, dass man alles umwerfen muss. Ich möchte grundsätzlich so weitermachen, weil ich echt total happy bin mit dem, was ich tue. Ich bin privilegiert, arbeite mit Red Bull und mit GoPro zusammen, wir machen jedes Jahr ein tolles Projekt.

Abschließend: Was rätst du den Menschen, die es nicht schaffen, ihre Ideen zu verwirklichen? Deren Talente oder Interessen im Alltag untergehen und die deshalb verständlicherweise auch frustriert sind?

Ich möchte und kann hier kein Modell entwerfen, das für alle funktioniert. Das wäre total vermessen. Ich weiß nur aus eigener Erfahrung, dass man das verfolgen muss, was einen antreibt. Ob beruflich oder mit einem richtigen Hobby oder mit wenigstens ein bisschen Extrazeit nebenbei. Man sollte sich nicht schämen und dranbleiben. Ob man jetzt Eisenbahnen mag oder Extremsport oder Blumen, was auch immer.

Ist das in einer Stadt wie Frankfurt nicht vielleicht auch schwieriger?

Nein, im Gegenteil. Es gibt viel mehr kleine, coole Läden und immer mehr mutige Leute, die wirklich ihr eigenes Ding machen.

Und was ist dein Neujahrswunsch für deine Heimatstadt?

Ich bin echt happy mit Frankfurt und habe das Gefühl, dass die Stadt in den letzten Jahren echt viel dazugewonnen hat. Vor allem an Lebensqualität. Ich bin auch über mutige Entscheidungen froh, zum Beispiel die Sperrung des Mainufers. Ich weiß, dass sich viele Leute darüber beschweren, aber ich find’s so geil und wünsche mir im neuen Jahr etwas mehr Entspanntheit von den Frankfurtern. (lacht) Je weniger Verkehr, umso besser. Kennst du „Happy City“? Ein tolles Buch. Die haben anhand von aktuellen Stadt-Szenarios analysiert, was für die Einwohner am zuträglichsten ist. Was für die körperliche und die mentale Gesundheit der Menschen am besten ist. Und da war eine der Haupterkenntnisse: Du kannst entweder eine Stadt für Autos bauen oder für Menschen, du kannst nicht beides machen.

 

(Foto: © EMILY DYAN IBARRA/@EDIPHOTOEYE)