Interview mit Aslı Bayram

Aslı, du hast lange in Frankfurt gelebt, deine Familie lebt noch hier. Du bist aber viel unterwegs. Würdest du FFM dennoch als deine Hood, als Heimat bezeichnen? Und wenn ja, warum?

Absolut. Ich habe viele Jahre in Frankfurt gelebt und hier auch mein Abitur gemacht. Als Botschafterin des Landespräventionsrates besuche ich regelmäßig in ganz Hessen und vor allem in Frankfurt Schulen. Hier teile ich meine Erfahrungen mit Schülerinnen und Schülern und versuche, sie zu motivieren. Letztes Jahr habe ich am Oberlandesgericht Frankfurt am Main aus dem Tagebuch der Anne Frank gelesen.

Ist deine Bindung an Frankfurt eher eine sentimentale aus der Jugend und Kindheit oder auch durchaus eine emotionale?

Heimat ist immer verbunden mit einem Gefühl, also eine emotionale Bindung. Wenn ich an Frankfurt denke, ist das verbunden mit positiven Erinnerungen. Wir sind damals von Darmstadt nach Frankfurt gezogen, also nicht sehr weit weg. Dennoch war es ein Neuanfang und ich konnte Frankfurt als Jugendliche entdecken und kennenlernen.

Ist es ein besonderes Gefühl, hierher zurückzukommen?

Es ist immer schön, meine Geschwister, den Zuwachs der Familie und natürlich auch meine Freunde, die ich seit meiner Kindheit kenne, wiederzusehen. Es ist etwas Besonderes, mit Menschen so lange verbunden zu sein und es gibt einem zusätzlich das Gefühl von Zuhause.

Gibt es besondere Orte für dich in FFM?

Die Luft, die Straßen, die Energie in Frankfurt sind mir sehr vertraut. Die Stadt ist im Vergleich mit anderen Orten, in denen ich viel Zeit verbringe, mehrdimensionaler: Frankfurt hat Charakter und Ruhe, bietet Aktion, Spaß und Dynamik. Eigentlich alles, was man will, direkt um die Ecke. Also eine sehr lebenswerte, schöne Stadt.

Mir gefällt Bockenheim sehr gut, weil ich einige Jahre dort gewohnt habe. Besonders in Erinnerung sind mir die Zeiten an der Uni geblieben. Wie oft und lange habe ich in der Bibliothek gesessen, als ich noch eifrig Jura studiert habe. Ich mag die Leipziger Straße, da ist immer etwas los. Und man ist von dort aus sehr schnell in der City. Da ich eine große Kaffee-Freundin bin, liebe ich es, im Stern-Kaffee eine Tasse zu trinken. Und es gefällt mir super, einfach mal von Bockenheim übers Westend in die Stadtmitte zu spazieren, um dann auf der Freßgass ein Stück Käsekuchen zu genießen – natürlich mit? Na, klar, einer weiteren Tasse gutem Kaffee. Also, für mich muss es weniger der Main, bzw. der „Mainstream“ sein, obwohl es dort im Sommer natürlich sehr schön zum Joggen ist.

Wie stark stehen einzelne Menschen oder ganz unterschiedliche Communitys in Frankfurt für dein Frankfurt-Gefühl und dein Bild von der Stadt?

Das Besondere an Frankfurt? Die einzelnen Frankfurter, mit denen ich stark verbunden bin! Familie, Freunde, Bekannte, die meisten engagieren sich und sind starke Persönlichkeiten. Deshalb verbinde ich auch Aufrichtigkeit, Engagement und Stärke mit der Stadt. Frankfurt ist beides: deutsch und international.

Viele Menschen aus Frankfurt, die – zum Teil schon längere Zeit – nicht mehr in der Stadt leben, haben etwas mitgenommen und bewahrt. Kennst du das auch?

Manchmal rutscht mir schon noch der Frankfurter Dialekt ‘raus, vor allem wenn ich mit Freunden und der Familie zusammen bin. Ich bin sehr direkt, (fast) immer pünktlich und so locker wie möglich. Klingt nach typisch deutschen Eigenschaften oder? Aber ich finde, dass uns das in Frankfurt besonders ausmacht. Vor allem in der Kombination „locker und offen“.

Die Frankfurter sind stolz auf ihre Weltoffenheit, auf die Vielfalt und die Farbigkeit der Stadt. Ist das für dich gerechtfertigt?

Auf jeden Fall. Frankfurt ist sehr farbig ist und bietet uns allen unheimlich viel. Idioten gibt es natürlich überall. Leider, leider gibt es in Deutschland noch immer (offenen und versteckten) Rechtsradikalismus. Aber ich habe wirklich das Gefühl, dass dieses Problem in Frankfurt sehr viel kleiner ist als in den meisten anderen Städten. Toll ist, dass es in Frankfurt immer mehr internationale Restaurants gibt. Essen verbindet Kulturen. Und Frankfurt tut das immer mehr. Denn darum geht es doch: Sich füreinander zu interessieren und miteinander zu leben statt Communitys oder Kulturen zu isolieren. Schlechte Erfahrungen gibt es immer, doch wir dürfen deswegen nicht aufhören, gute Menschen zu sein.

Du bist seit 2010 Botschafterin des Landespräventionsrates Hessen. Was ist dir dabei wichtig?

Nicht nur als Botschafterin, sondern auch als Mensch und als Frankfurterin wünsche ich mir, dass unsere Stadt weiterhin ihre positiven Eigenschaften herausstellt und die Vielfalt und den Respekt, vielleicht sogar als Taktgeber in Deutschland immer weiter vorantreibt. erweitert. Frankfurt kann stolz auf seine weltoffenen und multikulturellen Menschen sein.


Infotext

Weltoffen, intelligent, schön und aus Frankfurt – Aslı Bayram ist eine Grenzgängerin im allerbesten Sinne. Von der Miss Deutschland 2005 zu einer international agierenden und gefeierten Theater- und Filmschauspielerin mit besonders ausgeprägtem sozialem Engagement: Seit 2010 setzt sie sich als Botschafterin des hessischen Landespräventionsrates für mehr Toleranz und Respekt ein.

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