Rennaissance der Streuobstwiesen

Manche von uns sind erst durch #fridaysforfuture so richtig aufgewacht. Andere haben schon viel früher von der Belastung unserer Umwelt gesprochen und davor gewarnt, den Kontakt zur Natur nicht zu verlieren. So auch Gerhard Weinrich. Der Vorsitzende des MainÄppelHaus Lohrberg Streuobstzentrum e. V. und seine Mitstreiter erkannten früh den Widerspruch, dass wir zwar gesünder leben wollen, gleichzeitig aber nicht genug über die Lebensmittelproduktion Bescheid wissen. Wie genau wird denn zum Beispiel Ebbelwoi oder Secco aus der Region hergestellt?

BACK TO THE FUTURE

Daher lädt der Verein zum Beispiel Schulklassen und junge Familien zu verschiedenen Kursen ein. Anstatt Äpfel nur als Kilopack Golden Delicious vom  Discounter zu kennen, lernen Kinder im Naturerlebnisgarten, dass es allein in der Region über 250 verschiedene Apfelsorten gibt. Oder sie erfahren, dass Streuobstwiesen anders als industrielle Monokulturen von zahlreichen Tierarten bevölkert werden. Messer, Säge und Apfelwein sind nichts für Kinder. Aber genau die braucht man für die Erwachsenenkurse: Baumaufzucht, Gartenpflege und Selbstkeltern. Und auf einmal bekommen die Stadtneurotiker Lust aufs Landleben: Manche Familien legen sich selbst eine Streuobstwiese zu und beginnen mit dem eigenen Anbau.

ALL TOGETHER NOW

Aktuell kooperiert das MainÄppelHaus im Rahmen des Projekts „Biotop Manager“ mit der staatlichen Vogelwarte, der Goethe-Universität und der Senckenberg Gesellschaft. Sie begleiten die Biotop Manager bei der Pflege des Grundstücks. Dazu gehört auch die Beobachtung der dort lebenden Tiere. Am
Ende werden alle Erkenntnisse in einem Handbuch festgehalten. Sozusagen „Streuobstwiesenbesitzer für Dummies“. Wobei: „Viele junge Erwachsene, die in ihrem Garten oder hier auf einer Streuobstwiese aktiv werden wollen, nehmen unsere Unterstützung in Anspruch, weil ihnen früher nicht das notwendige
Wissen vermittelt wurde. Dafür können sie aber nichts“, sagt Gerhard Weinrich.

LET’S HAVE A PARTY

Da der Lohrberg auch bei vielen jüngeren Frankfurtern ein beliebtes Ausflugsziel ist, finden immer wieder Konzerte, Lesungen oder Feste im MainÄppelHaus statt - eine nachhaltige Partymeile. Darüber hinaus hat sich vor allem die Expertise von Gerhard Weinrich und seinem Team herumgesprochen: „Wir hatten sogar schon Professoren aus China da, die etwas über die Apfelweinproduktion wissen wollten. Kann man sich das vorstellen?“ Kann man durchaus.