WENDEPUNKTE

Ich komme aus einer Familie, in der wir Kinder das Glück und die Freiheit hatten, unseren Interessen zu folgen. Und vielleicht war es mir deshalb möglich, im Laufe meines Lebens einige ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen. Aber der Reihe nach:

Nach dem Abitur entschied ich mich für BWL, weil ich meinem Interesse an Prozessen und Strukturen nachgehen wollte. Und so war es wohl nicht überraschend, dass ich nach dem Diplom als Beraterin anfing. Das habe ich nicht bereut. Denn ich lernte während dieser Zeit viele spannende Orte und faszinierende Persönlichkeiten kennen. Eine davon war Muhammad Yunus. Er hatte den Friedensnobelpreis für sein Konzept der Mikrokredite gewonnen. Yunus hatte erkannt, dass Philanthropie und wirtschaftliches Denken Hand in Hand gehen müssen, damit das Gutgemeinte zur realen Verbesserung von Lebensumständen beiträgt.

Für mich fand die Begegnung genau im richtigen Moment statt. Denn ich war ohnehin an einem Wendepunkt angelangt und dachte darüber nach, wie ich mit meinem Leben einen Unterschied machen könnte. „Wie wollen wir als Unternehmer die Welt gestalten, damit möglichst viele Menschen am Gesellschafts- und Geschäftsleben teilnehmen können?“, fragten sich Yunus und ich. Wir gründeten die Firma „Yunus Social Business“, um das Konzept der Mikrokredite aufzugreifen. Aber anstatt an Privatpersonen Geld zu verleihen, investierten wir in Unternehmen, als Social Venture Capital. Der Zweck dieser Unternehmen, der sogenannten Social Businesses, ist es, Menschen in Schwellenländern den Zugang zu Bildung, Medizin und Arbeit zu ermöglichen. Und genau in diesem Kontext lernte ich auch die Schweizer Großbank UBS und deren Stiftung, die Optimus Foundation kennen und schätzen. Die UBS unterstützte unser Vorhaben – entgegen mancher Vorurteile gegenüber dem Bankensektor – langfristig und weitsichtig. Als dann der nächste Wendepunkt in meinem Leben in Form meiner zwei Töchter Gestalt annahm, ergab sich aus der Verbindung zur UBS eine neue Chance.

Als Verantwortliche für die UBS Optimus Foundation Deutschland und den Bereich Philantropy Services der UBS berate ich unsere Kunden, wie sie mit ihrem Engagement den größtmöglichen gesellschaftlichen Nutzen erzielen. Gleichzeitig muss ich nicht mehr so viel reisen und kann für meine Kinder da sein. Mit dem Know-how der Bank, der engen Zusammenarbeit mit unseren Kunden sowie nicht zuletzt der Leidenschaft unserer Mitarbeiter*innen können wir vielfältige Projekte unterstützen – hier vor Ort zum Beispiel die Joblinge: eine Initiative, die jungen Menschen ohne Zugang zum Arbeitsmarkt dabei hilft, einen Job zu finden. Oder Miracle Feet, eine amerikanische Organisation, die von UBS Kunden in Deutschland beraten und gefördert wird. Miracle Feet trainiert Ärzt*innen in Entwicklungsländern, damit sie neugeborene Kinder mit Klumpfüßen operieren können. Zu einem Preis von 250 US-Dollar. So bekommt ein Kind die Chance auf ein produktives Leben, anstatt dauerhaft von der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden.

Meine Arbeit und mein Leben sind untrennbar miteinander verbunden. Das ist ein großes Glück und ich weiß das. Ich denke manchmal, es wäre doch großartig, wenn meine Position in Zukunft überflüssig wäre. Dann würde ich zwar meinen Job verlieren – aber es hieße, dass die meisten Probleme gelöst wären. Und ich stünde wieder an einem Wendepunkt.

 

Sophie Eisenmann
Head of Philanthropy Services Deutschland, UBS